Kunst an sakralen Orten in Gräfelfing
23. Juni – 15. August 2018

Öffnungszeiten: Do – So 15 Uhr – 18 Uhr
Führungen: Do und So 15 Uhr und 16.30 Uhr

4. GRÄFELFINGER KUNSTPREIS 2018

Der 4. Gräfelfinger Kunstpreis wurde im Rahmen einer Kunstsoirée mit Tanz, Musik und Malerei unter den teilnehmenden 30 Künstlern der Ausstellung GLAUBE-LIEBE-HOFFNUNG verliehen. Das Preisgeld von insgesamt € 10.000, gestiftet durch die Landesstiftung der Kreissparkasse München-Starnberg-Ebersberg, wurde gattungsübergreifend für Malerei, Fotografie, Video, Skulptur und Installation vergeben.



Preisverleihung am 20.7.2018 während der Kunstsoirée in der Neuen Aussegnungshalle Gräfelfing


3 Hauptpreise (zwei erste Preise und ein zweiter Preis)

1. Preis:
Christoph Brech
Alexandra Hendrikoff

2. Preis:
Werner Mally

5 Anerkennungspreise
Bianca Artopé
Verena Friedrich
Sheila Furlan
Joerg Staeger
Eliane Zinner

1 zusätzlicher Preis für die Anerkennung durch das Publikum
Sheila Furlan



Christoph Brech
wurdefür seine Videoarbeit „Sound of Raasay 180°“ in der Waldkirche
mit dem 1. Preis ausgezeichnet

Der Künstler hat eine bereits vorhandene Videoarbeit seines Schaffens völlig neu, sehr stimmig und wirkungsvoll in die Empore des oktogonalen Raums gesetzt und dabei einen spannenden Dialog mit dem umlaufend gemalten Fries eröffnet, auf den er inhaltlich und formal Bezug nimmt. Während der Fries menschenleere Orte des Wirkens Christi im Heiligen Land darstellt, zeigt der Künstler auf 4 Monitoren einen extrem verlangsamten Schwenk über eine ebenso menschenleere Landschaft einer schottischen Insel. Ähnlich dürfte sie der iroschottische Wandermönch Columban gesehen haben, der dort vor rund 1500 Jahren die Botschaft des christlichen Glaubens verbreitete.

Christoph Brechs Arbeit transformiert die Grautöne der Landschaftsmalerei in sanft bewegte Bilder, akustisch untermalt von einem stark verlangsamten English-Horn-Solo und erzielt damit eine tief gehende Verschmelzung der beiden Orte christlichen Wirkens. Über die anerkennenswerte, technische Perfektion dieser Arbeit hinausgehend, steht vor allem die konzentrierte Stärke ihrer sinnlichen und überaus meditativen Wirkung im Vordergrund.

Zusätzlich eröffnet das Werk eine weitere Dimension, indem es künstlerisch-subtil auf ein historisches Ereignis verweist. Brech hat die Screens aufwändig in die Paneele eingepasst, in denen zuvor Bilder der 4 Evangelisten zu sehen waren. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden sie wegen ihrer damals unerwünschten Modernität vorsorglich herausgenommen und erst später wieder eingesetzt. Das Schwarz der Monitore zwischen den Sequenzen und im abgeschalteten Zustand erinnert bewusst an diese Zeit und ruft die 4 „Leerstellen“ schmerzlich in Erinnerung.

Der Preis ist mit 2.500 EUR dotiert.


Alexandra Hendrikoff
wurde für ihre Rauminstallation „Am Anfang war Beziehung“
in der Bäckerkapelle
mit dem 1. Preis ausgezeichnet

Die Künstlerin hat den gesamten Raum mit 5 Einzelarbeiten bespielt. Es ist ihr gelungen, die Werke miteinander korrespondieren zu lassen und zu einem stimmigen Gesamteindruck zusammen zu führen. Die zarten, handwerklich präzise und teils aufwändig mit Samenarrangements und durchlässigen Membranen gestalteten Objekte erzeugen auch durch ihre spezielle Beleuchtung feine Transparenzen, die den Ort in eine besondere Atmosphäre tauchen.

Alexandra Hendrikoff hat sich einer schwierigen ortsspezifischen Herausforderung gestellt. Die Kapelle beherbergt ein dominantes Kriegerdenkmal, das lediglich der Gefallenen der Kriege und keiner sonstigen Opfer gedenkt. Doch die stark lebensbejahende Ausrichtung von Hendrikoffs künstlerischer Arbeit, die kleinste Bestandteile der Natur mit allen Sinnen intensiv zu erfassen sucht, wiegt im Ergebnis wesentlich stärker als die Ambivalenz des Denkmals und kann die Besucher der Kapelle regelrecht beseelen.

Der Preis ist mit 2.500 EUR dotiert.


Werner Mally
wurde für seine Raumintervention „reFormance“
in der Michaelskirche
mit dem 2. Preis ausgezeichnet

Die Idee, ausschließlich mit den im Kirchenraum vorhandenen Materialien zu arbeiten und diese in sensibler Weise neu zu arrangieren wurde von Werner Mally eindrucksvoll und stimmig umgesetzt. Zweierlei ist bemerkenswert:

Zum einen die Verschiebung und Aufrichtung der Kirchenbänke in der Weise, dass sich eine Wellenbewegung im Raum ergibt und auch Doppelbänke zum Ausruhen entstehen; zum Anderen, dass der Künstler zusätzlich im Chorbereich eine bildhauerisch bemerkenswerte Arbeit geschaffen hat: Er umbaute nicht nur Altartisch und Lesepulte mit vorhandenen Bühnenelementen aus Holz , sondern er fasste mit ihnen auch das Wandmosaik des Erzengels Michael ein. Schraubzwingen und Gesangbücher bilden zusammen mit den Ecken und Kanten der Holzmodule eine starke Dynamik, die den Kampf des Engels mit dem Drachen aufnehmen und betonen.

Kirchenbesuchern bietet sich durch die verschiedenen Eingriffe des Künstlers ein gänzlich neuer Raumeindruck, der Gewohntes in Frage stellt und damit die Voraussetzung für Neues schafft.

Der Preis ist mit 2.000 EUR dotiert.


Bianca Artopé
wurde für das Werk „High Hopes“,
einer Soundinstallation in einem Beichtstuhl der Kirche St. Johannes der Täufer
mit einem Anerkennungspreis ausgezeichnet.

Diese Arbeit besticht besonders durch ihre Idee und den starken Ortsbezug. In der Soundinstallation werden Fürbitten und Danksagungen vertont und in einer Klangcollage abgespielt – hinter der linken Tür des Beichtstuhles die Bitten, rechts die Danksagungen. Die Sequenzen basieren tatsächlich auf Eintragungen eines älteren Fürbitte-Buchs der katholischen Gemeinde. Die Arbeit ist sehr berührend besonders durch die Ergänzung der „Zweifel“ im Zentrum des Beichtstuhles, die die Künstlerin einem Fürbittenbuch einer anderen Kirche mit Einträgen einer obdachlosen Frau entnommen hat.

Der Preis ist mit 600 EUR dotiert.


Verena Friedrich
wurde für ihre Gesamtleistung von insgesamt 4 ortsbezogenen Arbeiten
mit einem Anerkennungspreis ausgezeichnet:

Der Preis ist mit 600 EUR dotiert.


Sheila Furlan
wurde für ihr Werk „Zum Himmel“, einer Rauminstallation
in der Kirche St. Johannes der Täufer
mit einem Anerkennungspreis ausgezeichnet

die Himmelsleiter, aus hauchdünnem Seidenstoff und zentralperspektivisch genähten Stufen transzendiert quasi im Gegenlicht des Kirchenfensters. Dadurch wirkt sie wie ein Vehikel vom Irdischen ins Überirdische. Durch die besondere Inszenierung und Ausführung gelingt es der Künstlerin, eine neue, sichtbare doch nicht greifbare Dimension in den Kirchenraum zu holen.

Der Preis ist mit 600 EUR dotiert.


Joerg Staeger
wurde für das Werk „Fragments #01_breaking Bread“,
einer Video- Sound- und Rauminstallation unter dem Glockenturm von St. Stefan
mit einem Anerkennungspreis ausgezeichnet:

Der Künstler hat die Möglichkeiten des Glockenturms hervorragend genutzt um seine Installation in dessen quadratischen Unterbau zu realisieren. Die achteckige Projektionsfläche des Videos ähnelt einem Altar, auf dem Händepaare wie in einer Choreographie Brot auseinanderbrechen – untermalt von Bruch- und Abrissgeräuschen und von zahlreichen Stimmen, die Texte verlesen. Daraus ergibt sich ein höchst ästhetisches Spiel, das beim Betrachter vielschichtige Assoziationen hervorruft.

Der Preis ist mit 600 EUR dotiert.


Eliane Zinner
wurde für die beiden Gemälde „Maria“ und „Tuareg“,
die den Altar der St. Stefans-Kirche flankieren
mit einem Anerkennungspreis ausgezeichnet:

Dem Kopftuch der Maria, die in der Kirche gleichsam zuhause ist, steht das Kopftuch eines Tuareg gegenüber, das an diesem Ort eher wie ein Fremdkörper wirkt. Die Künstlerin malt beides in bester, altmeisterlicher Manier, doch in Abwesenheit des Kopfes. Dieser wird in der Phantasie des Betrachters ergänzt und mit gesellschaftlich-religiösen und politischen Konnotationen verbunden. Eliane Zinners Arbeiten verweisen auf diese Vorurteile und regen in ihrer hervorragenden Platzierung am Altar ein Nachdenken über Offenheit und Toleranz an.

Der Preis ist mit 600 EUR dotiert.


Sheila Furlan
wurde für ihr Werk „Zum Himmel“, einer Rauminstallation
in der Kirche St. Johannes der Täufer
mit dem zusätzlichen
Preis für die Anerkennung durch das Publikum
ausgezeichnet

Dieser Preis wird vergeben, da die Treppe aus Organza-Seide, die in Stufen bis zu einem Fenster in der Mitte des Kirchenschiffes emporführt, eine außerordentliche Wirkung auf die Besucher der Kirche zeigt. Neben der aufwändigen und handwerklich präzisen Ausführung hat besonders die gelungene Wahl im Kirchenraum vor einem der Fenster überzeugt, durch das während der Öffnungszeiten der Ausstellung häufig das Licht fällt und die Arbeit zum Strahlen bringt, was das Publikum besonders fasziniert.

Der Preis ist mit 400 EUR dotiert.

 

Jury:

Frank Enzmann, Vorsitzender der Jury, Verantwortlicher SoNet e.v. und Castringius Stiftung
Katharina Andrelang, Vorstandsmitglied KKG, Kunsthistorikerin
Kathrin Fritsche, 2. Vorsitzende KKG, Architektin
Dr. Ingrid Gardill, Vorstandsmitglied KKG, Kunsthistorikerin
Benita Meißner, Geschäftsführerin und Kuratorin DG | Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst e.V.
Pfarrer Bernd Reichert, Ev.-Luth. Kirchengemeinde Gräfelfing
Pfarrvikar Martin Siodmok, Kath. Pfarrverband Gräfelfing
Uta Wüst, 1. Bürgermeisterin Gemeinde Gräfelfing